Müssen Unternehmen auch in Clubhouse sein? Unser Fazit für Content Marketer.

Mädchen mit Handy fizkes / istock / Getty Images Plus
  • Das Internet kennt seit Tagen nur noch ein Thema: Clubhouse, eine neue Audio-App aus Kalifornien. Was kann sie, und ist sie den Hype wert? Ein Erfahrungsbericht.

    Seit ein paar Tagen hat der Social-Media-Markt einen neuen Star: Clubhouse, eine Audio-App des Software-Start-ups Alpha Exploration Co. aus San Francisco. Seit Anfang des Jahres mischt sie die internationalen Download Charts auf. Aber wie funktioniert die App? Wir haben sie getestet.

    So funktioniert Clubhouse

    Auf den ersten Blick wirkt Clubhouse wie ein Mix aus Podiumsdiskussion und Podcast: Es gibt ausschließlich Audio-Content; Fotos oder Videos sucht man vergeblich. Der Fokus liegt auf dem Austausch der Nutzer untereinander. Die wichtigste Funktion sind Talk-Runden, sogenannte „Rooms“, in denen Nutzer miteinander zu jedem beliebigen Thema diskutieren können. Die Anzahl der Diskussionsteilnehmer ist offen, User können selbst entscheiden, ob sie aktiv mitreden oder einfach nur zuhören wollen. Einziger Haken: Ganz wie im echten Leben sind die Diskussionen live – sie werden nicht aufgezeichnet oder gespeichert. Späteres Nachhören ist daher nicht möglich.

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    Download und Anmeldung: How to Clubhouse

    App herunterladen, Account erstellen und losdiskutieren? Nicht ganz. Um Clubhouse nutzen zu können, braucht es zunächst einmal zwei Voraussetzungen:

    • ein iPhone
    • die Einladung eines anderen Clubhouse-Nutzers

    Clubhouse ist gratis im App Store verfügbar und kann jederzeit heruntergeladen werden. Die Einladungen zum Anmelden sind aber streng limitiert. Jedes Mitglied kann pro Tag nur eine Handvoll neuer User einladen. Diese Beschränkungen vermitteln ein Gefühl von Exklusivität und „FOMO“, der „Fear of Missing Out“. Kein schlechter Marketingansatz, wie die Downloadzahlen zeigen – Clubhouse zählte in der dritten Januarwoche weltweit zu den Top-Downloads im App Store.  

    Nach erfolgter Einladung ist die Anmeldung unkompliziert. Ähnlich wie bei WhatsApp registriert man seinen Account über die Telefonnummer. Danach gibt man seinen vollen Namen an und reserviert einen Nutzernamen, unter dem der Account in der App gefunden werden kann. Wer möchte, kann ein Profilfoto hochladen, zum Abschluss noch ein paar Interessen angeben – und schon kann es losgehen. Man kann entweder einem bestehenden oder geplanten Talk beitreten und zuhören oder sich per virtuellem Handzeichen zu Wort melden, ähnlich wie in einer großen Zoom-Konferenz. Oder man wird zum Moderator und startet selbst eine Diskussion.

    Wie weit ähnelt Clubhouse anderen sozialen Medien?

    Clubhouse vereint den Community-Aspekt der gängigsten sozialen Medien, allerdings in einer abgespeckten Version. Es gibt einige Features, die schon von Instagram, TikTok, Spotify und Co. bekannt sind, diese werden aber nur spärlich eingesetzt. Zum Beispiel kann man anderen Usern folgen und eine eigene Follower-Base aufbauen. Kommentare oder Likes gibt es allerdings nicht. Auch das Teilen von Inhalten ist nur eingeschränkt möglich. Generell sind die Funktionen und auch die Bedienung sehr übersichtlich und auf das Wichtigste reduziert. Die Konsequenz: Man findet sich ausgesprochen schnell zurecht.

    Wen man auf Clubhouse trifft – und worüber diskutiert wird

    Auf den ersten Blick wirkt Clubhouse wie ein großes, virtuelles Networking-Event: Es gibt zahlreiche Talks zu Business- und Marketingthemen, Start-ups, Innovation und Technik. Auch die Medien- und Digitalbranche ist vertreten. Generell wird man – auch durch die Interessen, die man bei der Anmeldung angibt – schnell mit der eigenen „Bubble“ konfrontiert und trifft immer wieder auf Vertreter aus der eigenen Branche. Mit jedem Tag auf dem Markt gewinnt die App aber neue Mitglieder und damit diversere Themen. Bereits jetzt gibt es Talks zu Themen aus vielen Ecken des Lebens – von gesellschaftlichen Fragen und Politik über Mental Health und Coachings bis zu Kunst und Kultur. Selbst einen Österreicher-Stammtisch gibt es schon.

    In der Community trifft man auf Menschen aus unterschiedlichen Branchen und Altersgruppen. Zu den bekanntesten Clubhouse-Nutzern im deutschsprachigen Raum

    zählen Thomas Gottschalk, Carsten Maschmeyer, Joko Winterscheidt und Luisa Neubauer. Auch die Blogger- und Influencer-Branche ist bereits stark vertreten, etwa durch Pamela Reif, Carmushka und Caro Daur. International hat Clubhouse ebenfalls hohe Wellen geschlagen – unter anderem haben bereits Talkmasterin Oprah Winfrey, Rapper Drake und Sänger Jared Leto ihr Clubhouse-Ticket gelöst.

    Die Voraussetzungen für gute Diskussionen sind also gegeben, dennoch hängt es oft vom Thema ab, wie spannend eine Debatte wird. Wer pointierte, perfekt geschnittene Gespräche erwartet, könnte enttäuscht werden – da die Talks alle live sind, kommt es immer wieder zu Pausen oder Leerläufen. Dann liegt es am Moderator, die Debatte wieder in Gang zu bringen. Unser erster Eindruck ist, dass dies aber auf einem überraschend professionellen Level stattfindet. Gerade bei größeren Talks sind oft Profis am Werk, die bereits Erfahrung mit Podcasts oder anderen Audio-Formaten haben und wissen, was sie tun.

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    Clubhouse: Kritik und Herausforderungen

    Clubhouse genießt derzeit einen länder- und plattformübergreifenden Hype, aber auch erste Kritikerstimmen werden laut, besonders, was den Datenschutz betrifft. Clubhouse speichert Namen und Telefonnummern und verlangt darüber hinaus Zugriffe auf die Kontakte im Telefonbuch eines jeden Nutzers. Welche Daten darüber hinaus noch gespeichert werden, ist derzeit noch unklar.

    Einen weiteren Kritikpunkt stellen die Inhalte der Talks dar. Diese werden von den Entwicklern der App nämlich nicht kontrolliert oder moderiert. User können Debatten zu jedem beliebigen Thema starten, Hassbotschaften und politisch motivierter Content nicht ausgeschlossen. Treten Konflikte auf, kann man andere User zwar melden, richtige Konsequenzen hat das im Moment aber noch nicht. Mitunter auch, weil sich Clubhouse noch in der Beta-Version befindet und es noch keine einheitlichen Richtlinien darüber gibt, was erlaubt ist und was nicht.

    Fazit: Clubhouse – Top oder Flop?

    Potenziell stellt Clubhouse einen spannenden neuen Kanal für die Content-Marketing-Branche dar. In Zeiten von Podcast-Trends und Corona-Kontaktverboten trifft er sicherlich einen Nerv. Dennoch muss die App erst noch beweisen, ob sie das Zeug zum langfristigen Trend hat. Und vor allem, wie sich Funktionen, Messbarkeit und Engagement weiterentwickeln.

    Falls sich Clubhouse auf dem Markt durchsetzt, könnte es zu einer interessanten Ergänzung für Content-Marketing-Strategien werden. Die App bietet einen sehr nahbaren, unkomplizierten und direkten Zugang zu Themen und vor allem Persönlichkeiten, denen man im Alltag nicht oft begegnet. Gleichzeitig ist sie aber auch sehr zeitaufwändig – man muss live dabeibleiben, vor- oder zurückspulen ist nicht möglich. Bisher ist Clubhouse komplett durch Investoren finanziert, Möglichkeiten für bezahlte Werbeformen gibt es also auch noch keine.  

    Sollte sich Clubhouse langfristig etablieren, gilt es für Content­ Marketer daher vor allem, die richtige Balance zu finden: Themen, die interessieren; Persönlichkeiten, die faszinieren – und ein Zeitaufwand, der sich für Creator und Zuhörer lohnt.  

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